Glücksspiel-Survey 2026 – Was die Studie wirklich zeigt
Seit Jahren streiten Glücksspielbehörden, Suchtforscher und die Branche darüber, wer eigentlich für Spielerschäden zuständig ist. Der Glücksspiel-Survey 2025 gibt nun eine klare Antwort, und die dürfte manchem Lobbyisten den Schweiß auf die Stirn treiben. Die Studie erscheint zu einem Moment, in dem der seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 aufgebaute Regulierungsrahmen erstmals ernsthaft unter empirischem Beschuss gerät, und in dem die Frage nach strukturellen Spielerschutzmaßnahmen keine akademische Fingerübung mehr ist.
Durchgeführt vom Institut für Interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD Hamburg) gemeinsam mit der Universität Bremen, Arbeitseinheit Glücksspielforschung, befragte die Studie rund 12.000 Erwachsene in einer bundesweit repräsentativen Stichprobe. Das Ergebnis: Zwischen elf und zwölf Prozent der deutschen Erwachsenen haben 2025 online Glücksspiele genutzt, ein weiterer Anstieg gegenüber den Vorjahren. Noch brisanter ist die Forderung, die die Autoren daraus ableiten. Prävention darf sich nicht auf das eigenverantwortliche Handeln der Spielenden stützen. Sie muss strukturell verankert sein, bei den Anbietern und bei den Regulierungsbehörden.
Was das für die GGL bedeutet
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat seit ihrer Gründung 2023 ein Lizenzsystem aufgebaut, das auf genau jenen Instrumenten basiert, die der Survey jetzt in Frage stellt: das Einzahlungslimit im Online Glücksspiel, Selbstsperren über das OASIS-Sperrsystem sowie verpflichtende Hinweise auf Suchtberatung. Ergänzt wird das durch LUGAS, das Limitierungs- und Übergreifende Sperrsystem, das spielerübergreifend Echtzeit-Kontrolle ermöglichen soll. Die Logik hinter all dem war stets, dass informierte Spieler selbst entscheiden können. Der Survey widerspricht dem direkt. Wer gefährdet ist, entscheidet eben nicht rational, und Pflichthinweise ändern daran wenig.
Das ist keine neue These, aber sie hat selten so viel empirisches Gewicht gehabt. Zwölftausend Befragte sind eine andere Hausnummer als die üblichen Kleinsterhebungen. Ich finde es bemerkenswert, dass die Studie just in einem Moment erscheint, in dem die Branche auf die Fußball-WM 2026 schielt. Sportwettanbieter bereiten sich erkennbar auf einen Trafficschub vor, und die Frage, welche Schutzmaßnahmen bis dahin wirklich greifen, ist alles andere als akademisch. Zumal der GlüStV 2021 für 2026 ohnehin eine formelle Evaluierung vorsieht, die nun durch diesen Survey politisch aufgeladen wird.
Die Gegenposition der Branche
Die Industrie schlägt zurück, und das nicht ohne Argumente. Verbände wie der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) und der Deutsche Online Casinoverband (DOCV) verweisen auf Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie des Forsa-Instituts, die die Zahl der problematischen Spieler in Deutschland auf rund 200.000 Personen schätzen, das sind etwa 0,37 Prozent der Erwachsenen. Angesichts dieser Zahl, so das Argument, seien flächendeckende strukturelle Eingriffe unverhältnismäßig. Das OASIS-Sperrsystem funktioniere, Einzahlungsgrenzen wirkten, und der lizenzierte Markt sei ohnehin deutlich transparenter als das, was sich im unregulierten Graubereich abspiele.
Dieses Argument hat eine gewisse Logik, aber es verschiebt die Diskussion. Die Frage ist nicht nur, wie viele Menschen aktuell problematisch spielen, sondern wie viele es werden könnten, wenn die Hürden weiter sinken und das Angebot weiter wächst. Und das tut es, online, rund um die Uhr, auf jedem Smartphone. Wer die DSM-5-Kriterien für Glücksspielstörung kennt, weiß, dass Problemquoten immer eine Momentaufnahme sind, keine Obergrenze.
Lizenziert oder nicht: eine Entscheidung mit Konsequenzen
Für viele Spielerinnen und Spieler stellt sich ohnehin eine praktischere Frage: Wo spielen sie überhaupt? Der deutsche Markt ist reguliert, aber der Schwarzmarkt mit illegalen Glücksspielanbietern existiert parallel dazu weiter. Wer nach Casinos sucht, stößt im Netz schnell auf Angebote, die sich nicht um eine GGL-Lizenz für Online Casinos scheren. Plattformen wie lucky-circus.org sind ein Beispiel für die Art von Destinations, auf die deutschsprachige Spieler treffen, und genau hier zeigt sich der Unterschied: Anbieter auf der legalen Online Casino Whitelist Deutschlands müssen OASIS-Anbindung, LUGAS-Integration, Limit-Tools und Suchthinweise nachweisen. Nichtlizenzierte tun das nicht, können es nicht, wollen es oft nicht.
Wer strukturelle Prävention und eine ernsthafte Glücksspielsucht-Bekämpfung fordert, muss also auch erklären, wie der regulierte Markt attraktiv genug bleibt, damit Spieler nicht zu unkontrollierten Anbietern abwandern. Das gilt besonders für virtuelle Automatenspiele, die in Deutschland reguliert und mit strikten RTP-Vorgaben versehen sind, auf Schwarzmarktseiten aber ohne jede Einschränkung laufen.
Das ist das eigentliche Dilemma der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder. Zu strenge Auflagen treiben Nutzer zu Anbietern ohne jede Schutzstruktur. Zu laxe Auflagen bestätigen den Vorwurf, dass Lizenzierung nur auf dem Papier etwas bedeutet. Der Survey liefert keine Patentlösung für diesen Zielkonflikt, aber er macht ihn schärfer sichtbar.
Regulierung braucht mehr als Formulare
Was der Glücksspiel-Survey 2025 letztlich fordert, ist ein Kulturwandel bei den Behörden. Nicht der Spieler soll primär in der Verantwortung stehen, sondern das System, das ihm das Spielen ermöglicht. Das klingt simpel, ist aber operativ schwierig. Strukturelle Spielerschutzmaßnahmen, etwa automatische Pausen, plattformseitige Verlustgrenzen oder algorithmische Früherkennung von Risikomustern, kosten Geld und bremsen die Conversion-Rate. Kein Anbieter führt sie freiwillig ein, wenn er damit Wettbewerber bevorteilt, die das nicht tun.
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat den Rahmen gesetzt. Ob er für die Herausforderungen reicht, die sich bis zur WM 2026 und der anstehenden Evaluierung auftürmen, ist eine offene Frage. Die GGL hat nicht mehr viel Zeit, um zu zeigen, ob ihr Lizenzsystem tatsächlich Schutz bietet oder nur Schutz simuliert. Und die Frage, die nach dem Survey bleibt, ist diese: Wenn strukturelle Verantwortung in der Glücksspielsucht-Prävention ernst genommen wird, wie sieht dann ein lizenzierter Markt aus, der das auch wirklich beweist?
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